Sonntag, 24. Januar 2016

#Ebbe und Flut





Wie liebe ich dies raue, weite Land,
sein herbes Atmen, Ebbe und die Flut,
das Flüstern seiner gutgelaunten Wogen
im schaumbekrönten Meer, den feinen Sand.
Und wenn es stürmt, gehts mir erst richtig gut,
dann fühl ich mich dem Wind gar hingezogen.

Im Traume hör ich Möwen gellend toben,
Claus Störtebecker nimmt mich an die Hand.
Er zerrt mich auf sein Schiff, sein Diebesgut
bin ich, doch bald im Mastkorb auf der Hut,
vermelde Schiffe, seh als Erste Land
und messe mich mit Schurken und Ganoven.

Mein großes Schiff tanzt emsig auf den Wogen,
wir entern Schiffe nur mit Pfeil und Bogen
und nehmen reichlich Beute mit an Land.
Des Nachts vergraben wir den Schatz im Sand,
wir fühlen uns vor Glück so himmlisch gut
und sind doch vor den Häschern auf der Hut ...

Der Bootsmann schreit, das Antlitz voller Blut
ertrinkt er und die Glocke schweigt. Verbogen.
Als ich erwache, spüre ich die Glut
des Morgens, bin dem Alptraum bald entflogen.
Ich leg mir Tränen auf des Schlafes Brand
und kühle mir das Augenweh mit Sand,

bis dass die Starre weicht bis hin, zum Rand
und wünsche mir, ich hätte diesen Mut,
ich blieb für immer dort, im Niemandsland.
Doch dann riech ich das Salz und hör das Wogen,
das herbe Atmen, Ebbe und die Flut
und fühl mein Herz von Wundern vollgesogen.

Ach Zeit, du nimmst, und manchmal ists so gut.
Und doch verschnürt mein Herz ein feines Band.
Ich bleib, bis mich die Zeiten aufgesogen,
allein und lass den Andern Wein und Wut.
Schrei'n Möwen mir am lichten Brandungsbogen,
hüll ich mich schweigend in mein Festgewand

und sehe übers Land. Und mit der Flut
zergeht mein Schiff aus Sand, und mit den Wogen
fühl ich mich neu, dem Sturme hingezogen.



© A. M. F.

04.08.2011

Montag, 4. Januar 2016

So lange





Solange der Mond noch das Veilchen erfriert
Der Fluss seine dunkelsten Strudel gebiert
Und uraltes Laub vor dem Wind applaudiert
Erbarmt sich kein Lied ihrer Lippen kein Lied

Solange der Falke am Straßenrand stirbt
Der eisige Regen die Äcker verdirbt
Und Schwermut die wachsbleiche Stirne umwirbt
Erbarmt sich kein Wort ihrer Feder kein Wort

Solange der Rabe sich weiter addiert
Der Nebel das Echo das Lot amputiert
Und jedwedes Fenster mit Schweigen verschmiert
Erwächst ihr kein Sinn aus dem Sinn aus dem Sinn

© A. M. F. 2015




Sonntag, 27. Dezember 2015

#Nocturne







Oh Mond du mein trauter Geselle
Vertonst mir die finsterste Nacht
Wo sie kommt und schon auf der Schwelle
Mein Singen als Krächzen verlacht

Mit dir mag ich Wünsche verkleiden
Ich dreh mich mit dir um mich selbst
Und schläfst du will ich dich beschreiben
Weil du mich in Liebe erhellst


© A. M. F.
2013/2015


Donnerstag, 13. November 2014

Meiner großen #Liebe







Morgens wenn die Sterne zwinkern
Krähen meinen Blick umkreisen
Schloßturmspitzen ehern blinkern
Lauf ich schweb ich durch den Park

Wo die Elben Netze weiben
Wege sich im Gras verzweigen
Bäume sich vor mir verneigen
Fühl ich mich so klein so stark

Bis dass mich die Uhren schlagen
Nebel mich beiseite tragen
Muss ich mich an Steinen laben
Frier ich beb ich bis ins Mark

Abends wenn die Fenster zwinkern
Schloßturmspitzen ehern blinkern
Krähen meinen Traum umkreisen
Schläft er ein mit mir Mein Park


Text und Foto © A. M. F.
06.11.2014

Samstag, 22. Februar 2014

Von dem Knaben







Zwischen eismüden Bäumen und Sternblumenpfützen
verlief sich ein Wesen, so durchscheinend zart
wie ein mailindes Lüftchen. Wer mag es beschützen
vor launischem Klirren in Großvaters Bart?

Seine Augen sind neblig, verkrustete Narben
verbergen die Schmerzen, im schneeigen Nichts
wo es einschlief, bedecken die gestrigen Farben
erfrorener Vögel die Reste des Lichts.

Denn der Mond schlurft wie stets auf dem nachtblauen Bogen,
er spottet den Menschen, erzählt seine Mär
von dem Knaben, dem grünen mit seidigem Haar,

dessen Vater gestorben, vom All aufgesogen,
dem funkelnden Himmel verwoben nun wär
und der demnach am Morgen erwache. Fürwahr.


© A. M. F.
2012